Âus der Sicht eines Arztes
Das Thema Arbeitszeit ist in den letzten Jahren oft am Beispiel der Ärzteschaft behandelt worden, wobei man es meistens mit Extremmeinungen von Leuten zu tun hatte, die sich in zwei Gruppen teilten. Die einen, denen die Berichterstattung nicht negativ genug sein konnte, weil die ja eh genug verdienen und die anderen, die Sorge hatten, von jemanden operiert zu werden, der schon 36 Stunden am Messer ohne Pause stand.
Unabhängig davon möchte ich einmal darstellen, wie die momentane Situation aussieht und vielleicht etwas mehr Realismus in diese Diskussion zu bringen.
Ende der 90 Jahre musste man von morgens acht Uhr bis 16 30 normal arbeiten, dann bekam man den Dienstpieper und hat weitergearbeitet, nur noch für seine Kollegen mit. Das ging dann die ganze Nacht. Um 20 00 hat man sich eine Pizza bestellt, um 2 Uhr ein Stück davon gegessen und um 4 Uhr nachts das erste Mal geweint, wenn noch ein Polytrauma kam. Um Sieben am morgen ist man aus dem OP gerannt um seinem Chef eine Übergabe der Nacht zu machen, dann schnell wieder zurück um die OP fertig zu machen. Um 14 00 kam man raus und hat gesehen, dass die Kantine schon zugemacht hat. um 1800 war schluss. Die meisten haben in der Umkleidekabine etwas von "Freiem Nachmittag, weil die Oma Geburtstag hat" gemurmelt, wenn sie um diese Uhrzeit gegangen sind. Nachtstunden werden mit 65% des normalen Arbeitslohns bezahlt und es gibt keine Nachtzuschläge, auch keine für Wochenende oder Weihnachten.
Als ich ein Gespräch mit Prof. Dr. S[xxxxx,editiert], Chef der Chirurgie Göttingen darüber hatte, erfuhr ich, dass er diese Nachtarbeit auf keinen Fall gutheisse und auch nicht möchte, dass seine Untergebenen so lange arbeiten. Bisher wüsste er davon auch nicht, obwohl ihm schon klar sei, dass nachts jemand da sein müsste. Er wasche seine Hände in Unschuld und es würde auch keiner gezwungen, bei ihm zu arbeiten.
Das viel gerühmte Kündigungsgesetzt sieht bei Ärzten so aus, dass man damals einen Vertrag für ein halbes Jahr bekommen hat. Somit musste man nicht gekündigt werden, der Vertrag wurde einfach nicht verlängert. Da man wohl nach der dritten Verlängerung eine Festanstellung bekommen sollte, gab es keine dritte Verlängerung. Hierbei ist uns allen klar gewesen, dass der Chef uns im Falle einer Klage niemals Rückendeckung gegeben hätte. Im Falle einer Klage wurde uns eine Übernahmeschuld nachgesagt, die vor Gericht behandelt wurde.
Heute sieht die Lage etwas anders aus. Man arbeitet nur noch bis 9 Uhr morgens, also 25 Stunden. Die Zeit die man tagsüber nicht da ist, wird vom Gehalt abgezogen. Die Kollegen müssen die Arbeit miterledigen, die man tagsüber nicht machen kann, Neueinstellungen gibt es keine. Das besondere ist, dass die Zeit tagsüber mit 100 % berechnet wird, während die Zeit nachts mit 65% zählt, somit verdient man nachts nichts mehr, wobei es immer noch keine Nachtzuschläge gibt.
Während man in den 90ern keine Stellen bekommen hat oder maximal nur 6 Monatsverträge bekommt man jetzt 3 Jahresverträge. Durch die verständliche Ärzteknappheit haben sich die Bedingungen nicht verändert, jedoch sind die Stellen im Krankenhaus nur zu 20-80% besetzt, was sich wiederum auf die Arbeitsbelastung auswirkt.
Für Rückfragen stehe ich zur Verfügung.
Geändert von admin-ar (16.07.2005 um 14:06 Uhr).
Grund: Bitte keine Namen nennen. Der Name wurde überschrieben. Die genannte Person kann sich hier nicht rechtfertigen, wenn ihr der Eintrag unbekannt ist.
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